Der kognitive Verarbeitungsproess
Dolmetscher müssen innerhalb kurzer Zeit Gesprochenes inhaltlich und akustisch verstehen und in der Lage sein, nur einmal Gehörtes sich merken und dann übersetzen zu können.Als wichtigster kognitiver Prozess wird also die Leistung des Verstehens gesehen.
Für das Konsekutivdolmetschen wurde ein Modell entwickelt, nach dem der Dolmetscher einen Text, beziehungsweise ein Rede, zuerst einmal nonverbalisiert und ohne jeglichen Aufwand dieses Konstrukt wieder reverbalisiert. Es wird auch beim Simultandolmetschen davon ausgegangen, dass Textbestandteile ohne kognitiven Aufwand im Kurzzeitgedächtnis gespeichert werden können. Damit wird möglich, dass die gespeicherten Inhalte als Sinneinheiten gespeichert werden. Somit kann das Vorwissen des Dolmetschers mit dem eben Gehörten kombiniert werden.
Voraussetzung für jeglichen kognitiven Prozess ist aber, dass der Dolmetscher ein bestimmtes Maß an Wissen über die jeweilige Sprache vorweisen kann. Er muss zu dessen Aneignung in der Lage sein, rasch Wissen über bestimmte Sachverhalte zu erlernen und sich zu merken. Das Wissen muss dann während der Arbeit des Dolmetschers jederzeit aktiviert und vor allem auch aktualisiert werden können.

Er muss auch in der Lage sein, die kognitiven Prozesse anzuwenden, die ihm die eigene Arbeit überhaupt erst ermöglichen. Dazu gehören mehrere Schritte, zum Einen das vorauseilende Verstehen, dann das Strukturieren der Informationen, die der Dolmetscher erhalten hat, und schließlich das Kontrollieren der Zieltextproduktion. Das Einhalten dieser Schritte ermöglicht es dem Dolmetscher, einen Text auch dann richtig zu übersetzen, wenn er aufgrund äußerer Einflüsse einen Teil eines Satzes nicht richtig verstanden hat. Die Schritte werden sowohl beim Simultan- als auch beim Konsekutivdolmetschen angewendet, denn beide stellen höchste Anforderungen an die Gedächtnisleistung und die Konzentration des Dolmetschers.
Die wohl höchsten Anforderungen an die kognitiven Fähigkeiten des Übersetzers werden dann gestellt, wenn die Äußerungen im Ausgangstext zusammengefasst werden müssen. Eine solche Verdichtung eines Textes wird immer dann nötig, wenn die Geschwindigkeit des Vortrages ein genaues Wort-für-Wort-Übersetzen nicht zulässt. Gelingt diese Verdichtung aber nicht, wird es zu Störungen in der Dolmetscharbeit kommen und damit zu Mängeln in der Qualität.
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